Als "Tänzer über Grenzen" auf spannender Sinnsuche
Lyrik. Der Sänger Tino Eisbrenner lässt in seinem ersten Gedichtband das "Vagabundenherz" höher schlagen.
Erstmals wagt sich der Sänger und Liedtexter Tino Eisbrenner in den Kosmos der Lyrik und legt einen Debütband voll von dichterischen Einfällen vor. Der Leser wandelt durch Höhen und Tiefen eines Künstlerlebens. "Hab gelebt ganz oben und erlebt wie man fällt", heißt es im programmatischen Gedicht "Vagabundenherz".
Verse zu Zeit und Raum, über Kindheit und Tod, Liebe und Einsamkeit lassen erahnen, wie Welt aus dem Innern entsteht, wie sie zum weiten Denkraum wird. Sinnliches und bildhaft Erfahrbares kommen zum Vorschein. Später schlüpft der Dichter in die Rolle eines Flusses, erzählt auch von Gefahren der Liebe, von Pferden, Hof und Tod. Zumeist poetisch, manchmal mehr philosophierend.
Die kunstvoll gebauten Gedanken öffnen dem Lesepublikum Türen zu einer spannenden Sinnsuche. Der Sänger bedient sich einprägsamer Bilder und ebenmaßiger Sprachrhythmen. In seinen Reflexionen zu Fragen unserer Zeit verschmelzen tief Erlebtes und genau Beobachtetes, gewürzt mit Geist und Esprit. So entsteht in "Frühling" eine pfiffige Skizze vom Leben und Lieben der Meisen.
Natürlich weiß der Dichter, dass sein Feld schmaler wird, dass irgendwann der Allesfresser Tod lauert. Es geht um existenzielle Fragen. In der spannenden Dramaturgie der Texte erscheint "Abschied von den Dingen" als ergreifender Höhepunkt. Tino Eisbrenner kehrt zu seiner Selbstsicht als Vagabund zurück. "War ohnehin ein Vagabund, Ein Tänzer über Grenzen." Keine Frage, der Sänger präsentiert sich mit seinem ersten Gedichtband als ein hoffnungsvolles Multitalent. Respekt für diese Leichtigkeit, mit der er das Leben mit all seinen Facetten aufs Papier wirft. Jürgen Tremper
Tino Eisbrenner: Vagabundenherz. Steffen Verlag, Friedland. 80 Seiten, 9,95 Euro. ISBN 978-3-940101-39-6. Buchpremiere am 4. Oktober um 19 Uhr im Café des Heinrich-Schliemann-Museums Ankershagen.