Die Volksmarine, kleinste Teilstreitkraft der Nationalen Volksarmee, ist Geschichte. Vergessen ist sie so wenig wie die Männer und Frauen, die in den 1950er Jahren begannen, die Seestreitkraft der DDR aufzubauen und in den Folgejahren zu entwickeln. Das oft aufopferungsvolle Wirken der Gestalter der Volksmarine wird in den Fokus dieser bebilderten Publikation gerückt. Es kommen Zeitzeugen zu Wort, die nicht selten die gesamte Entwicklung der Volksmarine durchlebt und mitgestaltet haben. Sie alle berichten detailreich über das Werden und Vergehen ihrer Marine. Mit Offenheit, Stolz, aber auch Kritik werden Vorgänge, Verhältnisse und Zusammenhänge erläutert. Und das durchaus nicht nur bierernst, sondern zumeist mit dem für Seeleute deftigen Humor. Neben Zeitzeugenberichten enthält diese Anthologie Reportagen und Porträts, die zur Gesamtaussage des Werkes beitragen.
Aus der Presse:
Quelle: 4. November 2010
Streitkraft auf See
Die Dusch-Party mit Hilde war zwar mitunter ein Abenteuer, aber kein erotisches. Zumindest auf den Schiffen der Volksmarine, denn dort wurde der Hilfskessel, der für heißes Wasser und Dampf sorgte, liebevoll „Hilde“ genannt. Was das Brausebad oft für Probleme bereitete, ist eine von mehr als 80 amüsanten, nachdenklichen und kritischen Episoden in einem neuen Buch über die Volksmarine. Darin berichten über 50 Zeitzeugen – vom einstigen Stabsmatrosen bis zum Kapitän zur See a.D. – über ihren Alltag in einer Marine, die vier Jahrzehnte lang das Leben von rund 250 000 Männern und auch Frauen (mit)bestimmte. Nachdenkliche Töne schlägt etwa Fregattenkapitän a.D. Bodo Keppler an, der über einen Torpedo-Scheinangriff (weiße Leuchtsterne imitierten die „Aale“) auf einen US-Trägerverband in der Ostsee 1971 berichtet. „Was, wenn die US-amerikanischen Kommandanten unseren Scheinangriff fehlgedeutet und das Feuer eröffnet hätten?“, schreibt Keppler. Er und die anderen Zeitzeugen versuchen, Erinnerungen zu bewahren und die Frage nach dem Untergang damit zu beantworten. M.Z.