Erstes komplexes Werk zur Geschichte von Handwerk und Gewerbe in Neubrandenburg
(Neubrandenburg/Helmut Borth) Mehr als sieben Stunden dauerte allein das Gespräch mit dem IHK-Ehrenpräsidenten Julius Kessow. Informationen und über 12 000 Fotos zu mehr als 1000 Firmen hat Horst Beyermann im Verlauf seiner fünfjährigen Recherche zur Entwicklung von Handwerk und Gewerbe in Neubrandenburg gesammelt und dabei unzählige solcher Gespräche geführt. Selbst im finnischen Karelien und in Florida fand er Nachfahren erfolgreicher Unternehmer vergangener Jahrzehnte und konnte mit ihrer Hilfe Betriebsgeschichten rekonstruieren. 55 davon stellt er in einem Buch des Friedländer Steffen-Verlages vor, eine Arbeit, die in dieser Form einmalig in Deutschland ist. Neben Industriebetrieben und Dienstleistern wie Gülden Tor oder Webasto, die teilweise auf eine mehr als 125-jährige Tradition zurückblicken können, widmet er sich auch heute schon zum Teil vergessenen Firmen wie dem Kaufhaus Fielitz oder dem Motorrad-, Auto- und Lastwagenhändler Max Kleine. Der 68-jährige Horst Beyermann dokumentiert nicht nur spannende Firmengeschichten. Er macht an den ausgewählten Beispielen auch deutlich wie die Auswirkungen zweier Weltkriege, die Weltwirtschaftkrise, der Nationalsozialismus, die Jahrzehnte in der DDR und nach der Wende die Entwicklung von Handel, Handwerk und Gewerbe geprägt haben. Um beim Beispiel Kleine zu bleiben, 1944 starb der Seniorchef, 1945 fiel das Geschäft mit Werkstatt und Tankstelle in der Badstüberstraße dem großen Stadtbrand zum Kriegsende zum Opfer. Ein Sohn kam 1945 im NKWD-Lager Fünfeichen ums Leben, der zweite wurde nach Sibirien deportiert und starb dort 1949, der dritte, im Osten heimat- und besitzlos geworden, gründete 1946 in Husum ein Omnibusgeschäft.
Neben den vielen Firmenporträts beschäftigt sich ein 12-seitiges Kapitel auch mit der Geschichte der IHK und vermittelt den Lesern aufgrund bislang unbekannter Details auch hier so manches Aha-Erlebnis.






















