Rethra, sagenhaftes slawisches Zentralheiligtum in Mecklenburg, ist Ort des spannenden Geschehens um den Stamm der Redarier und das Vordringen der Deutschen und des Christentums ins Slawenland.
Ausgerechnet Dana, die schöne Tochter Risans, Priester des Heiligtums und oberster Anführer der Krieger des Stammes der Redarier, beschließt, sich den Christen anzuschließen. Es sind vor allem junge Redarier wie sie, die sich dem neuen Glauben zuwenden. Die herrschende Priesterschaft hält an alten Traditionen fest und verbindet mit diesen den Unabhängigkeitskampf gegen eindringende deutsche Eroberer.
Ein faszinierender Historien-Roman um Machtintrigen, Liebe und Tod. Die geschichtlich korrekten Illustrationen stammen vom Greifswalder Maler und Grafiker Bernd Anders.
Aus der Presse:
Quelle: Nordkurier Neubrandenburg Zeitung, 03.06.2011
Quelle: Nordkurier, 17. Juni 2011, Helmut Borth
Artikel zur Buchpremiere bei Weiland in Neubrandenburg, 15. Juni 2011
Die Tochter des Priesters
Buchpremiere für den dritten Rethra-Roman der Literaturgeschichte am Mittwochabend in der gut besuchten Weiland-Buchhandlung
Oberen: Frau Gehm (Filialleiterin Weiland), Herr Dr. Voß und Herr Dr. Günther
Unten links: Dr. Heinz Günther, Unten rechts: Drei Schülerinnen vom Sportgymnasium. (Fotos: Helmut Borth)
Von Helmut Borth
Neubrandenburg (EB). „Wir suchen Rethra“ war die erste literarische Auseinandersetzung mit dem großen vergessenen slawischen Heiligtum. Die Regionalbibliothek hat den Roman des NS-Schriftstellers Johannes Richter, der unter dem Pseudonym Hans Richter ca. 1935 in Leipzig erschien in ihrem Präsenzbestand. Ansonsten wird er noch antiquarisch gehandelt für Preise zwischen 12 und 25 Euro.
Mittwochabend hatte der dritte Rethra-Roman bei Weiland seine Premiere, herausgegangen vom Friedländer Steffen-Verlag und geschrieben vom 81-jährigen Berliner Juristen Heinz Günther. Der fühlt sich immer noch als Ur-Neubrandenburger, obwohl er vor mehr als sechs Jahrzehnten bereits die Stadt verließ. 1944 war ihm aber hier als Pimpf im Vorraum der Sparkasse das Thema begegnet, das ihm sein Leben lang begleitete und nie so richtig los ließ. Aufgewachsen mit dem Gedankengut des überlegenen germanischen Herrenmenschentums, hörte er von Slawen, die Tausend Jahre zuvor hier lebten und als Volk langsam mit den andersgläubigen deutschen Eroberern verschmolzen.
Jetzt hat er die Geschichte literarisch aufgearbeitet. Auslöser waren die von Thilo Sarrazin provozierte Diskussionen um Migration und vom Kulturkampf.
Heinz Günther macht in seinem Buch „Das Orakel von Rethra“ Dana, die schöne Tochter des obersten Priesters der Redarier und Anführer der Krieger des Stammes zur Heldin. Das ist eine Parallele zum zweiten Rethra Roman, der 2003 im Aufbau-Taschenbuchverlag in Berlin erschien. In „Die Priestertochter“ hatte Autor Titus Müller Alena, die schöne Tochter des Hochpriesters der Redarier zur Titelfigur gemacht. Bei beiden Autoren spielen kriegerische Auseinandersetzungen und das Pferdeorakel von Rethra gewichtige Rollen. Und natürlich die Liebe. Wie sonst will man eine Geschichte transportieren, wenn man keinen Kriminalfall konstruiert?
Wenngleich sich die Sujets ähneln, der alte Mann hat nicht beim jungen Hüpfer abgeschrieben – Titus Müller ist erst 34 Jahre alt. Müllers Figuren agieren im 9. Jahrhundert, im Kampf strotzenden Rethra. Günthers im 11. Jahrhundert, zeitlich nahe dem Untergang Rethras. Müllers Rethra lag am Breiten Luzin „eine Stunde nördlich von Feldberg“, was zeigt, der Autor die Region nicht kennt, zumindest nicht kannte als er sie beschrieb. Heinz Günther favorisiert das Südende des Tollensesees und beschreibt kennerhaft die Landschaft so detailgetreu, dass man meint nur seinen Weg folgen zu müssen, um zur Tempelburg zu kommen.
Beide Autoren nehmen ihre Leser mit in eine magische Welt mit Naturgeistern, Märtyrern, Götzen und Gott. Beide Autoren stellen ihrer Priestertochter aber jeweils unterschiedliche Personen an die Seite, lassen sie zeitlich unterschiedlich lange agieren und schließlich auch unterschiedliche Wege einschlagen. So kommen beide am Schluss auch zu verschiedenen Hauptursachen für den Untergang Rethras. Bei Müller ist es hauptsächlich der Kampf in einem Bruderkrieg. Bei Günther ist es das langsame Verschmelzen von alter und neuer Welt, von altem und neuen Glauben, das Ineinander aufgehen.
Die Gäste der Buchpremiere hingen Mittwochabend förmlich an den Lippen des Autors und dreier Gymnasiastinnen, die verschiedene Kapitel aus dem Roman vortrugen. Der Spannungsboden stand und machte neugierig auf mehr. Wenngleich Heinz Günter behauptet, die Geschichte so zu erzählen, wie sie in Wirklichkeit abgelaufen ist, so muss man am Ende doch Museumsdirektor Dr. Rolf Voß zustimmen, der übrigens dem Autor fachberatend zur Seite stand und am Mittwoch auch die Buchpremiere moderierte: „Das Orakel von Rethra ist ein spannender Roman. Es ist kein wissenschaftliches Sachbuch.“ Das Buch sei aber wichtig, um Rethra aus der allgemeinen Vergessenheit zurück ins Bewusstsein zu Menschen zu holen, Heimatgefühl und Stolz zu wecken. „Rethra ist ein Welterbe“, meint Heinz Günter. „Es wurde mit Delphi gleich gesetzt.“