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Sportjournalist Roland Gutsch stellt im Boulevard-Café mit "Nimmer. Lizas Liebe" sein neustes Werk vor - lebendig und überzeugend. Roland Gutsch las am Donnerstagabend umgeben von Kerzenschein und erwartungsvoll dreinblickenden Augenpaaren im Neubrandenburger Boulevard-Café aus seinem jüngsten Werk: "Nimmer. Lizas Liebe". Robert Zimmermann, Volontär einer Regionalzeitung, wird darin mit einem rätselhaften Verbrechen konfrontiert. Bei der Recherche trifft er auf allerlei skurrile Gestalten, wie den eigenbrötlerischen Kuhwirt Arno Zimmer oder den honorigen Dorfarchitekten Kaspar von Berg. Es sind jene, die der Autor mit Bildern wie "Haut, die aussieht, als wäre zusammengeknülltes Papier sorgfältig glatt gestrichen worden" so lebhaft beschreibt, als hätte er sie deutlich vor Augen. So streckt Gutsch auch im Laufe der Lesung das linke Bein aus und kreist den Fuß. Genau so, wie die in diesem Augenblick von ihm beschriebene Figur. Er tut es ihr gleich, lebt sie. Eine in Falten gelegte Stirn, rollende Augen und die wechselnde Sprechweise lassen den Autoren während der Lesung in die Figuren schlüpfen. Er lässt sie für den Zuhörer lebendig werden. "Manches scheint übertrieben. Dennoch ist es glaubwürdig", sind sich die Zuhörer im Anschluss an die Lesung einig. Aber vielleicht ist es genau dieses Geschick Gutschs, die Dinge ungeniert mit lebhaften Bildern so zu beschreiben, wie sie sind und oder eben wahr genommen werden. "Ich habe mir vorgestellt, wie bei mir als Nachgeborenen ein Geschichtsbild entsteht", sagt Roland Gutsch. Es sei verblüffend, dass Personen, die ein Ereignis gemeinsam erlebt haben, es dennoch unterschiedlich beschreiben. Dies sei auch die Herausforderung der Romanfigur Robert Zimmermann: Das tatsächlich Geschehene herauszufiltern. Vielleicht ist es des Autors genaue Beobachtungsgabe und das penible Ausarbeiten der einzelnen Bilder, welche die sonst banal erscheinende Umgebung nun plötzlich interessant, ja sogar humoristisch werden lässt. Das Schreiben sei zu seinem Lebensstil geworden, sagt Gutsch. Das hänge sicher auch mit seinem Charakter zusammen: Er rede ungern, schreibe lieber. Zudem könne er die heutige Zeit nur noch literarisch begreifen, alles andere gebe ihm nichts mehr. Vor fünf Jahren habe Roland Gutsch mit dem nun in der abendlichen Lesung vorgestellten Roman "Nimmer. Lizas Liebe" angefangen und sei in dieser Zeit durch einige Täler gegangen. Das 2004 erschienene Erzählband "Zweieinhalb Tage" sei lediglich ein Nebenwerk. Ein Nebenwerk, für das Gutsch mit dem Annalise-Wagner-Preis gewürdigt wurde. "Es hat mir gut getan, diesen Preis zu bekommen", sagt der Mann, dessen Weltanschauung eigenen Angaben zufolge die Ironie sein könnte. Was viel weniger ein Geheimnis als eine Tatsache ist. "Die Dauerwelle in Dederonschürze" ist deshalb sicher auch keine zufällig gewählte Beschreibung für eine seiner Figuren. Umso mehr erheitert er mit derart treffenden Passagen seine Leserschaft. An den Reaktionen seiner Zuhörer Teil zu haben bereitete Roland Gutsch sichtlich Freude. Er ging auf sie ein, blickte immer wieder über die vorzulesenden Zeilen hinweg in die gut unterhaltene Runde.
 
Nordkurier - 24.11.2007 - Ivonne Zimmermann
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